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Jahresprogramm 2018

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05.02.2018
Chronischer Tinitus aus ärztlicher Sicht
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16.04.2018
Was ist eine altersgerechte Behandlung?
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04.06.2018
Arthrose ganzheitlich - den Verschleiß von Gelenken vorbeugen und aufhalten
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Sebastian Kneipp

Sebastian Kneipp
(1821-1897)

"Vorbeugen ist besser als heilen!"

   
 

Kindheit und Jugend

Sebastian Kneipp wurde am 17. Mai 1821 als viertes Kind der Hausweber Xaver und Rosina Kneipp in Stephansried bei Ottobeuren im Allgäu geboren. Not, Elend und Entbehrungen prägten seine Kindheit, in der er hart arbeiten und den Eltern am Webstuhl helfen musste. Schon in jungen Jahren hatte er den Wunsch Geistlicher zu werden.

1842 fand er in Kaplan Dr. Matthias Merkle aus Bad Grönenbach, ein entfernter Verwandter seiner Familie, einen Förderer. In Grönenbach machte Kneipp auch die Bekanntschaft des Ortspfarrers und Botanikers Christoph Ludwig Koeberlin, der ihn in die Pflanzenheilkunde einführte. Eineinhalb Jahre blieb Kneipp in Grönenbach, bevor er seinem Mentor Dr. Merkle nach Augsburg und kurze Zeit später nach Dillingen folgte, wo er ab 1844 das Gymnasium besuchen durfte.

1846 erkrankte Sebastian Kneipp an Lungentuberkulose. Trotz der schweren Krankheit, die damals noch als unheilbar galt, machte er in nur vier Jahren das Abitur. Mit Beginn seines Theologiestudiums kam im Frühjahr 1849 dann der völlige gesundheitliche Zusammenbruch.

   

Entdeckung der Wasseranwendungen

Das zufällig entdeckte Buch „Von der Kraft und Wirkung des frischen Wassers in die Leiber der Menschen“ des Arztes Johann Siegmund Hahn (1738) beeindruckte Kneipp sehr. Es machte ihm Mut, seine Krankheit vielleicht mithilfe der dort niedergeschriebenen Erkenntnisse selbst zu kurieren.

Am 16. November 1849 unternahm Sebastian Kneipp einen waghalsigen Selbstversuch, der zum lebensverändernden Schlüsselerlebnis wurde: Er lief keuchend zur Donau, riss sich die Kleider vom Leib und tauchte, erhitzt wie er war, bis zum Hals in das eiskalte Wasser ein, zählte bis drei, stieg wieder heraus, zog sich an, und rannte so schnell er konnte zurück nach Hause.

Das Ergebnis war erstaunlich: Kneipp fühlte sich zunehmend frischer und gesünder, so dass er das Experiment nach drei Tagen wiederholte. Und wieder stellte sich ein stärkendes, erfrischendes Wohlbefinden ein. Von diesem Zeitpunkt an nahm er zwei- bis dreimal pro Woche ein kurzes Bad in der eiskalten Donau. Ergänzend dazu verabreichte er sich selbst Halbbäder und Güsse.

Dies war im Grunde die Geburtsstunde der Kneipschen Wasserkur: Zuerst durch körperliche Anstrengung den Körper erwärmen, dann einen sehr kurzen Kaltreiz setzen, sich anschließend nicht abtrocknen und sofort den Körper durch körperliche Anstrengung wieder erwärmen.

Sebastian Kneipp wurde wieder vollständig gesund und schöpfte neue Lebenskraft.

   

Studium und Priesterweihe

1849 bekam Kneipp ein Stipendium im Theologischen Seminar Georgianum in München. Dort setzte er seine Wasseranwendungen fort und half damit gelegentlich auch seinen Kommilitonen bei manchen Beschwerden. Schnell bekam er den Spitznamen „Dr. Hydrophilus“.

1852 erhielt er im Alter von 31 Jahren das Abschlusszeugnis des Georgianums und empfing am 5. August im Augsburger Dom die Diakonatsweihe. Einen Tag später wurde er zum Priester geweiht. Am 24. August 1852 feierte er zusammen mit seinem Vater in der Ottobeurener Basilika seine Primiz (erste Messe).

   

Leben als „Wasserdoktor“ und „Cholera-Kaplan“

1852 begann Sebastian Kneipp, seine Behandlungserfahrungen an Patienten anzuwenden, die zu ihm kamen, weil ihnen von den Ärzten nicht geholfen wurde oder weil sie kein Geld für einen Arzt hatten. Des Öfteren half er auch, wenn er als Priester zu Kranken gerufen wurde, um beispielsweise die Sterbesakramente zu geben. Eine an Cholera erkrankte Frau heilte er vollständig.

Schnell sprach sich herum, dass der “Cholera-Kaplan”, wie Kneipp inzwischen von der Bevölkerung ehrfürchtig genannt wurde, zügig und kostenlos half, was auf zunehmende Kritik der Ärzte und Apotheker stieß. Sie fühlten sich durch Kneipps Wirken brüskiert. 1854 verordnet Kneipp Heißanwendung für eine cholerakranke Magd und erhielt die erste Anzeige wegen Kurpfuscherei.

Kneipp musste vor Gericht erscheinen und verteidigte sich dort mit dem Argument, ob man Kranken nicht helfen dürfe, wenn die Ärzte nicht mehr helfen können oder wollen und der Kranke mittellos ist. Der Fall nahm eine überraschende Wendung: Der Richter ließ sich von Kneipp Ratschläge zur Behandlung seines Rheumatismus geben und stand ihm in seinem Urteil zu, hilfsbedürftige und mittellose Menschen kurieren zu dürfen.

   

Versetzung nach Wörishofen

Nach etlichen beruflichen Stationen zieht Sebastian Kneipp am 2. Mai 1855 als Beichtvater ins Dominikanerkloster in Bad Wörishofen ein. Neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit sorgt er für den Aufbau der Landwirtschaft des Klosters. International gewürdigt wurden seine Verdienste um die Bienenzucht und die Honiggewinnung. Er verfasste sogar landwirtschaftliche Sachbücher über wichtige Themen wie Ackerbau und Viehzucht. Aufsehen erregte er durch die erfolgreiche Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche des Rinderbestandes mithilfe von Wasseranwendungen.

Neben seiner eigentlichen Berufung, dem Priesteramt, behandelte er mittellose oder bereits von den Ärzten aufgegebene Kranke mit umfangreichen – vornehmlich kalten – Wasseranwendungen in den verschiedensten Formen.

   

Wasseranwendungen werden Heilkonzept

Die Jahre zwischen 1855 und 1880 waren für Sebastian Kneipp sehr bedeutend. Sein persönlicher Heilerfolg motivierte ihn, die bis dahin bekannten und erprobten Wasseranwendungen durch zahllose Versuche und Beobachtungen an sich und an seinen Patienten zu erweitern und zu kombinieren und so ein erfolgreiches Vorbeugungs- und Heilsystem mit immer weiter verbesserten und verfeinerten Methoden zu schaffen. Zu seinem Behandlungsrepertoire zählten kalte Güsse, Wassertreten, kalte und warme Teil-, Voll- und Wechsel-Bäder sowie kalte und warme Wickel und Auflagen.

   

Veröffentlichungen

1886 erschien „Meine Wasserkur“, Kneipps erstes Buch, das bereits seine Kräuterheilkunde und ein Kapitel über „Kraftnährmittel“ enthielt. Das Buch war ein voller Erfolg und verstärkte den Zustrom Heilungssuchender, anstatt ihn zu vermindern, was er eigentlich mit dem Buch beabsichtigt hatte. So hatte Kneipp gemeinsam mit einem Arzt, der die Diagnosen erstellte, tagtäglich mehr als 150 Kurgäste in seiner Sprechstunde zu betreuen. Das Buch wird binnen weniger Jahre in 14 Sprachen übersetzt.

1889 veröffentlichte Kneipp sein zweites Buch mit dem Titel „So sollt Ihr leben“, das seine gesundheitserzieherischen Grundsätze enthielt. Es folgten weitere Bücher wie „Ratgeber für Gesunde und Kranke“ (1891) und „Mein Testament“ (1894), in dem er die letzte Fassung seiner immer wieder verfeinerten und veränderten Heilmethoden beschreibt.

   

Gründung der Kneipp-Werke

Im Jahr 1890 begegnete Sebastian Kneipp dem Würzburger Apotheker Leonhard Oberhäußer. Über die gemeinsame Überzeugung, mit naturheilkundlichen Methoden Gutes zu tun, wurden sie enge Partner und gute Freunde. Bereits ein Jahr später legte Kneipp das Vermächtnis seiner lebenslangen Studien in die Hände des Freundes und Mitstreiters, indem er ihm exklusiv die Rechte übertrug, pharmazeutische und kosmetische Produkte sowie diätetische Lebensmittel „mit dem Namen und dem Bilde des Herrn Pfarrer Sebastian Kneipp“ zu entwickeln, herzustellen und zu vertreiben.

   

Kneipp-Stiftungen
Sebastian Kneipp richtete in Bad Wörishofen drei Stiftungen ein: Das Priesterhaus „Sebastianeum“ (1891), das „Kinderasyl“ (1893) und das „Kneippianum“ (1896). Diese drei Stiftungen wirken seitdem in seinem Sinne und helfen kranken Menschen.

   

Kneipp wird europaweit bekannt

1892 unternahm Kneipp seine erste Vortragsreihe durch Deutschland und Europa. Auf zahlreichen Reisen im In- und Ausland war Kneipp ein beliebter Redner. Mehr als eine Million Zuhörer erreichte er Schätzungen zufolge in den drei Jahren seiner Vortragsreisen. Durch seinen Erfolg bei der Heilung des Ischiasleidens von Erzherzog Johann von Österreich-Ungarn wurde auch der europäische Hochadel auf Kneipp aufmerksam.

   

Ehrung durch den Papst

Nach mehreren Audienzen ernannte Papst Leo XIII. Kneipp 1893 zum päpstlichen Geheimkämmerer. Damit verbunden war die Verleihung des Titels „Monsignore“. Kneipp bedeutete diese Ernennung sehr viel, weil damit die Anerkennung seines Wirkens durch den Papst zum Ausdruck gebracht wurde. Der Papst bestärkte ihn auch darin, sich neben seinem Priesteramt weiterhin um die Gesundheit seiner Mitmenschen zu kümmern.

   

Tod und Vermächtnis

Sebastian Kneipp erkrankte an einem Tumor im Bauchraum und starb am 17. Juni 1897 im Alter von 76 Jahren in Bad Wörishofen. Zu dieser Zeit war er neben Kaiser Wilhelm II. und Bismarck eine der drei berühmtesten Personen des deutschen Kaiserreichs.

Sebastian Kneipps Vermächtnis an die Nachwelt ist sein großartiges Lebenswerk. Er hinterließ ein schlüssiges, ganzheitlich orientiertes Therapiekonzept, das in jedem Alter anwendbar ist, im besonderem Maße in der Gesundheitsvorsorge, aber ebenso auch bei der Behandlung akuter und chronischer Krankheiten.